Aufbau der Energieinfrastruktur im Ahrtal nur 100% Erneuerbar!

24.9.2021 Eberhard Waffenschmidt

AltenahrNach der Flutkatastrophe im Ahrtal und angrenzenden Regionen ist auch deren Energieinfrastruktur stark getroffen. Angesichts dieser drastischen Auswirkungen der weltweiten Klimakatastrophe fordern Wissenschaftler aus der Region, dass die Energieinfrastruktur nur noch mit Erneuerbaren Energien aufgebaut werden soll. Diese Forderung wird von mehr als zwanzig bundesweiten gemeinnützigen Umwelt-, Klima- und Erneuerbare-Energien-Organisationen unterstützt. In ihrem Impulspapier legen die Wissenschaftler detailliert dar, welche Maßnahmen dafür notwendig sind.

Die Wissenschaftler legen dar, dass eine konsequente Ausrichtung des Wiederaufbaus mit 100% Erneuerbaren Energien einen langfristigen Nutzen für den Kreis Ahrweiler hat. Wichtig sei eine Beteiligung der Bevölkerung und dass die Maßnahmen im Dialog mit den Menschen vor Ort erfolgen.
Das Ziel 100% Erneuerbare Energien könnte bilanziell schon bis 2027 erreicht werden.
Dazu erscheint der Ausbau auf ca. 400 MWp Photovoltaik und 170 - 180 MW Windkraft notwendig. Diese Abschätzung enthält bereits die Versorgung des Wärme- und Mobilitätssektors mit erneuerbaren Energien. Dann müsste pro Jahr ein Zubau von ca. 70 MWp Photovoltaik realisiert werden. Dazu ist beispielsweise ein jährlicher Photovoltaik-Zubau auf 35 ha Freiflächen und 30 – 40 MWp auf Dachflächen notwendig. Der Zubau von Windanlagen könne im Jahr 2023 mit sechs Anlagen (25 MW) beginnen, da für die Windkraft aufgrund zeitaufwändiger Planungsprozesse anfänglich mit Verzögerungen zu rechnen ist. Ab 2024 wird dann ein Zubau von etwa zehn Windkraft-Anlagen jährlich (40 MW) veranschlagt.
Um mittelfristig eine kontinuierliche Stromversorgung zu gewährleisten, ist der Ausbau entsprechender Speicherkapazitäten und flexibler Erzeuger und Lasten bis 2030 nötig.
Die Autoren weisen insbesondere darauf hin, dass für die Wärmeversorgung fossile Heizungen, die mit Erdgas und Erdöl betrieben werden, vollständig durch alternative Technologien ersetzt werden müssen. Der Aufbau von Gasnetzen darf in diesem Zusammenhang nur als Provisorium gesehen werden. Stattdessen sind Wärmenetze anzustreben, wo immer dies möglich ist. Anderswo können Wärmepumpen, ggf. ergänzt durch Solarthermie, genutzt werden. Biomasse hingegen ist ein knapper Rohstoff. Daher sollte sie möglichst nur in Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden und aus nachhaltiger und lokaler Erzeugung stammen. Eine moderne Wärmedämmung von Gebäuden ist selbstverständlich die Grundlage für eine zukünftige Wärmeversorgung.
Für eine klimagerechte Mobilität soll zum einen der öffentliche Nahverkehr in der Region ausgebaut werden und neue Modelle erprobt werden. Für den individuellen Verkehr wird auf Elektromobilität gesetzt. Dazu soll eine entsprechende Ladeinfrastruktur mit öffentlichen und privaten Ladepunkten geplant und realisiert werden.
Insbesondere die Stromnetze müssen für die zukünftigen Aufgaben gerüstet werden, denn die Wärmeversorgung und die Elektromobilität kommen zu den bestehenden Verbrauchern hinzu.
Der Kreis und die Kommunen haben die wichtige Aufgabe der Planung von Flächen für Wind- und Solaranlagen, von Wärmenetzen und einer neuen klimagerechten Verkehrsinfrastruktur. Der Beteiligung der betroffenen Bürger kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Die Region des Ahrtals könnte so als Modellregion bundesweit ein Vorbild für die Energiewende werden.

Weitere Links:

> Aktuelle Version des Impulspapiers: PDF-Dokument (0.9MB)

E.Waffenschmidt, 24.Sep.2021